Was wäre die Welt ohne Glocken - das fragte ich an einem Nachmittag meinen Sohn beim Spazierengehen. "Das ist doch ganz einfach!", antwortete er ohne Zögern, leicht verwundert wie ich nur diese Frage stellen konnte. "Die Welt wäre nicht dieselbe". Als Pfarrerin an der Christuskirche kann ich aus der Erfahrung der vergangenen Monate hinzufügen: "Die Gemeinde rund um die Christuskirche wäre nicht dieselbe." Es ist beachtlich, wie viele Menschen auf vielfältige und kreative Weise dafür gesorgt haben, dass die Glocken bald wieder zum Gottesdienst rufen können. Neben "lautlosen" Überweisungen von zweistelligen bis vierstelligen Summen wurde überall gesammelt: in beiden Kindergärten, in Benefizkonzerten, in einer Theatervorführung der Schattenspringer, am Gemeindefest mit ABC und ESG, bei Gelegenheiten wie Hochzeiten, Taufen und Trauerfeiern, in einer stillen Auktion, am Ausgang der Kirche an kollektenfreien Sonntagen. So wie das Geläut der Glocken über den Predigtbezirk Christus hinweg zu hören ist, so erfolgte auch die Finanzierung durch geschwisterliche Mithilfe über den PB hinaus: durch einen Anteil am Ortskirchgeld 2010 wie auch dank Spenden der verschiedenen Hilfsvereine auf dem Gebiet der PG Ost. So manche SpenderIn ist katholisch und wohnt in der unmittelbaren Nachbarschaft der Kirche, andere wiederum beteiligten sich an der Aktion auch ohne zu einer Kirche zu gehören. Die Spendenaktion für den neuen Glockenstuhl ist ein gutes Beispiel dafür wie geistliche und ökonomische Dimensionen einander befördern und Verbundenheit schaffen können zwischen Nahen und Fernen.
Von Pfarrerin Frau Jäger-Fleming, November 2010