Aus unserem Gemeindebrief Oktober / November 2004
Grußwort
Kunst im Altarraum
Erntedank
Konfirmations-Jubiläum
Neue Öffnungszeit
Vater Unser: Meditativer Tanz
Vater Unser Wanderung
Vater Unser: Kinderbibeltag
Konfirmanden 2004/2005
Neue Strukturen in der Kirchengemeinde
Gedenkveranstaltungen zum Widerstand gegen das Dritte Reich
Freiburger Kreis und die Ökumene
Die Christuskirche und der Freiburger Kreis
Die Zukunft von einst
Mahnmalprojekt
Vorstellung der neuen Praktikantin
Kirchenmusik
Wiehremer Kindergarten
Schlechte Nachrichten aus dem ABC
Monatspruch
Oktober: Wo
der Geist des Herrn wirkt, da
ist Freiheit
Liebe Gemeinde,
groß
prangt er an der Pfarrhausfassade unter dem Bildnis des Züricher Reformators
Ulrich (Huld-rych) Zwingli, der Monatsspruch für den Oktober.
Aus
der Einheitsübersetzung ist der Monatsspruch genommen. So ist er
viel dynamischer als in der Lutherübersetzung: „Wo der Geist des Herrn
ist, da ist Freiheit.“ Er wirkt, er ist nicht nur so da, wie auch andere Dinge
da sind.
Die Inschrift an der Fassade, lässt es
offen: „Wo der Geist des Herrn, da ist Freiheit.“ Noch kürzer, noch prägnanter
ist es im griechischen Urtext: „Wo nun der Geist des Herrn, Freiheit.“
Aus einer Ortsbestimmung wird ein
Ausruf: Freiheit!!!
Schon in frühen Handschriften lesen
wir das griechische Wort „ekei“: da. Abschreiber konnten oder wollten mit
diesem absoluten Begriff der Freiheit nichts anfangen und haben die
Ortsbestimmung „da“ eingefügt. Die meisten Übersetzer sind ihnen dabei
gefolgt. Der Aussage wird dadurch die Dynamik genommen.
Der
Geist des Herrn ist dynamisch, kraftvoll und ruft aus der Lethargie heraus, ruft
die Freiheit aus, überall. Freiheit heißt das Programm der Christen. Wir sind
frei!D
Das ist das Bekenntnis in und für
unsere Zeit.
Das
müssen wir wieder leben, das müssen wir in die Welt hineintragen. Das ist
unsere Aufgabe.
Wir können das, weil wir in dieser
Freiheit leben dürfen. Menschen und Mächte unterdrücken die Freiheit. Das
geschieht nicht nur auf der großen Bühne der Politik. Das geschieht auch im
Kleinen, im Verborgenen, in unserer Nachbarschaft. Dem haben wir im Geiste
Gottes unsere Freiheit entgegenzusetzen. Unsere Welt sehnt sich nach Freiheit,
im Großen und im Verborgenen.
Wir
wissen wohl, dass viele Menschen heute Freiheit nicht mit Christentum verbinden.
Wir wissen wohl, dass viele Freiheitsbewegungen in der Geschichte im Namen
Christi unterbunden worden sind.
Gerade deshalb müssen wir der Welt
deutlich sagen: „Wo der Geist des Herrn,
Freiheit !!!“
Ihr Wolfgang Kammerer
Begegnungen
gefragt und erwünscht!
Kirchen
waren schon immer Orte in denen Kunst gezeigt wurde. Religiöse und profane
Themen, vom Altertum bis in die Neuzeit, immer wieder haben Kunstschaffende ihre
Werke in sakralen Räumen, in Kirchen gezeigt.
Im
Evangelischen Kirchenbezirk Freiburg wurden Künstlerinnen und Künstler
eingeladen, an dem Projekt “Altarbild”
teilzunehmen und ihre Werke ab Herbst in den Altarräumen verschiedener Kirchen
zu zeigen. Auch unsere Kirche ist dabei.
Das
Projekt “Altarbild”, wurde von der Evangelischen Erwachsenenbildung (EEB)
ausgeschrieben, es möchte die Sprache der zeitgenössischen Kunst für eine
begrenzte Zeit im Kirchenraum wirken lassen. Mit der Einladung an Künstler aus
zwei großen südbadischen Künstlerverbänden erhoffe man sich künstlerische
Aussagen in gegenwartsbezogenen Gestaltungen, die sowohl spirituelle Bezüge aus
der Lebenswelt thematisieren, als auch Fragen an Kirche und Religion aufgreifen.
Dabei wolle die Kirche durchaus auch Impulse aus der Begegnung mit Künstlerinnen
und Künstlern und einer nichtkirchlichen Öffentlichkeit für unseren Glauben
und für unsere Auseinandersetzung mit Gegenwartsfragen empfangen
Zwanzig
Pfarreien haben sich im Kirchenbezirk mit ihren Kirchen für dieses Projekt zur
Verfügung gestellt. Auch wir öffnen unsere Kirche mit dem Altarraum einem Künstler
oder einer Künstlerin während drei Wochen (10. bis 31. Oktober). Das
ausgestellte Kunstwerk kann dann auch in unser gottesdienstliches Leben
einbezogen werden. Dabei können wir, in den
Begegnungen zwischen den “Partnern auf Zeit”, die Werke betrachten
und diskutieren, außerdem sollen begleitende Veranstaltungen das Programm rund
um die Altarbilder ergänzen. Eine Broschüre wird rechtzeitig erscheinen und über
das Gesamtprojekt informieren.
Eine
Jury mit namhaften Künstlern und Theologen trat zusammen, um die Werke für die
beteiligen Kirchen auszuwählen.
Danach
wurde unter Beteiligung von Gemeindemitgliedern das „Altarbild“ für die
Christuskirche ausgewählt.
Beim
Redaktionsschluss des Gemeindebriefes war das Kunstwerk noch nicht ausgewählt.
Deshalb können hier noch keine Angaben zu begleitenden Veranstaltungen gemacht
werden.
Günter
Hammer/Wolfgang Kammerer
In
den meisten Kulturen und Religionen der Welt wird ein Fest nach Beendigung der
Ernte gefeiert. Die Menschen danken ihrer Gottheit oder ihrem Gott, dass die
Felder getragen und sie dadurch genügend zu essen haben. Eine gute Ernte ist
die Voraussetzung für Leben. Deshalb ist dieses Fest auch ein Dankfest zur
Erhaltung des Lebens.
Dabei
wird deutlich, dass die Menschen nicht alles selbst bewerkstelligen können. Wir
sind abhängig vom Boden, dem Wetter, dem Klima allgemein. Die Menschen gehören
zu dieser einen Welt. Wir sind Teil dieser einen Welt, Teil der Schöpfung. So
bezeichnen wir die Welt, die Umwelt, die Mitwelt in der jüdisch-christlichen
Tradition.
In
der jüdischen Tradition gibt es verschiedene Erntedankfeste: das Laubhüttenfest
- es wird vor allem für den Wein gedankt - und das Wochenfest - es steht der
Dank für das Getreide im Mittelpunkt - sowie das Passafest - Dank für
die neuen Herden.
Aus diesen Festen hat sich auch unser
Erntedankfest entwickelt, das in den verschiedenen Kirchen und Ländern dieser
Welt ganz verschieden gefeiert wird. Es wird auch, und wahrscheinlich
intensiver, da gefeiert, wo Menschen oft nicht wissen, ob und wie sie
Lebensmittel für das Überleben bekommen können.
In unseren Gottesdiensten am
Erntedankfest werden, besonders in unserer städtischen Umgebung, nicht nur die
Früchte der Erde in den Dank an Gott, den Schöpfer und Erhalter des Lebens
einbezogen, sondern die gesamte Schöpfung.
Wir
laden herzlich ein zum Gottesdienst am Erntedankfest
um 10.00 Uhr in der Christuskirche. Dieser Gottesdienst mit Taufe wird
vorbereitet und gestaltet vom Christuskindergarten.
Am 7. November 2004 feiern wir das Konfirmationsjubiläum.
Da
wir schon einige Jahre dieses Jubiläum nicht mehr feierten, werden zur
Diamantenen Konfirmation die Konfirmandenjahrgänge 1941 bis 1944 und zur
Goldenen Konfirmation die Konfirmandenjahrgänge 1951 bis 1954 eingeladen.
Es
ist für uns nicht einfach, die Adressen der Konfirmandinnen und Konfirmanden
von damals ausfindig zu machen. Besonders die Konfirmandinnen sind schwer
aufzufinden, da sie in der Regel heute einen anderen Familiennamen tragen.
Wer
Auskunft über Konfirmandinnen und Konfirmanden dieser Jahre geben kann, möge
sich bitte im Pfarramt melden. Dort können auch die Konfirmandenlisten
eingesehen werden.
Gemeindemitglieder,
die in diesen Jahren in einer anderen Kirche konfirmiert wurden, sind auch
herzlich eingeladen.
Bitte
melden Sie sich im Pfarramt.
Änderung der Öffnungszeiten im Pfarramt
Die schwierige finanzielle Situation der Evangelischen Kirchengemeinde Freiburg hat auch Auswirkungen auf die ganz konkrete Arbeit in den Gemeinden.
Das Deputat unserer Pfarramtssekretärin, Frau Koch, wurde gekürzt. Deshalb müssen auch die Öffnungszeiten im Pfarramt eingeschränkt werden.
Das Pfarramtsbüro ist geöffnet:
Dienstag
10.00 Uhr bis 12.00 Uhr
Mittwoch 15.00 Uhr bis 17.00 Uhr
Freitag
10.00 Uhr bis 12.00 Uhr
Das VATER UNSER im JAHR
2004
Meditativer Tanz
Meditative
Tänze zum Vaterunser
Ein
ganz anderer und neuer Zugang zum Vaterunser: getanzt, mit Reinhild Pohl-Burbließ
aus Einhausen in Hessen. Sie ist meditative Tanzlehrerin.
Sie schreibt dazu:
“und
sie werden beim Reigentanz singen: all meine Quellen entspringen in dir“
(Psalm 87,7)
In vielen Religionen gibt es rituelle
Bewegungen, um Inhalte und Wesen des Gebets, des Gesprächs mit Gott, leibhafter
erfahren zu können. Der Reigentanz ist ein Bild des Lebens in der
Wechselwirkung mit dem Mitmenschen und den Kräften der Welt, vor allen Dingen
aber der Begegnung mit Gott und auf Gott hin. Er umfasst und beinhaltet alles,
gibt jedem einen Platz: dem Großen und dem Kleinen, der Freude und dem Leid,
dem Jubel und der Trauer, der Sehnsucht und der Erfüllung, der Einsamkeit und
der Gemeinsamkeit, dem Zweifel und dem Glauben. Damit wird der Reigentanz zu
einem Gespräch mit Gott, zu einem Gebet. Er ist getanzter Ausdruck all unserer
Empfindungen, ist ein bewegendes Gebet mit der Quelle alles Lebenden.
In
der Verbindung von Musik, Bewegung und geöffneter inner Wahrnehmung geben wir
uns die Chance, aufsteigende Bilder und Gefühle zuzulassen, sie leibhaft zu
erspüren und damit ganzheitlich in ein Gespräch mit Gott einzutreten. In
diesem Gebetsleben hat jede/r die Möglichkeit ihre persönliche Wirklichkeit
des Glaubens be-greifen, er-greifen zu können und gleichzeitig eine bewegte
Glaubenssprache in der Gemeinschaft zu erleben.
Ein Gebet erschließt sich uns, wenn
wir uns die Zeit und die Muße nehmen, seinen Worten auf den Grund zu gehen.
Dies können wir durch Nachdenken und gedankliches Erfassen oder indem wir die
Worte in unserem Herzen bewegen und in uns lebendig werden lassen. Dann können
wir ein Gebet erfühlen, es mitvollziehen und zu einem Teil unseres Lebens
machen. Das Vaterunser ist das Hauptgebet
unseres christlichen Glaubens. Es kann zum innersten Kern unserer
Lebensgestaltung werden, wenn seine Wahrheiten uns leiten und zu Impulsen des
Denkens und Handelns für uns werden.
An
diesem Tanznachmittag laden wir ein, im ruhigen und lebhaften Meditativen Tanz
Gottes-Anrede und Bitten des Vaterunsers in unser Leben zu verleihen, uns von
ihnen in unserem Herzen, unseren Sinnen und unserem Leib bewegen zu lassen und
daraus Kraft zu schöpfen für die Aufgaben unseres Alltags. Wir tanzen im
Reigen nach vorgegebenen Schritten, die Formen sind einfach und bedürfen keiner
tänzerischen Vorerfahrung.
„Feiert
Gottes Namen beim Reigen“ Psalm 149,3
Ich
freue mich auf unser gemeinsames Erleben.
Dieser
Tanznachmittag findet am Samstag, dem 9. Oktober 2004 von 14.00 Uhr bis 18.00
Uhr im Gemeindehaus statt.
Der
Beitrag für die Teilnahme beträgt 10,00 €.
Anmeldungen
bitte im Pfarramt, Tel. 73140
Insgesamt
haben sich 32 Konfirmandinnen und Konfirmanden zum Konfirmandenunterricht
angemeldet.
Der
Unterricht begann bereits im Frühjahr. Bis zu den Sommer-Ferien haben wir uns
unregelmäßig getroffen. Die Stundenpläne der Konfirmanden machten ein
kontinuierliches Treffen immer am gleichen Wochentag unmöglich.
Nach
den Ferien wird jeden Mittwochnachmittag Konfirman-denunterricht sein.
Die
Konfirmandinnen und Konfirmanden stellen sich am 10. Oktober im Gottesdienst der
Gemeinde vor.
NEUE
STRUKTUREN
IN DER
KIRCHENGEMEINDE
FREIBURG
In der Kirchengemeinderatssitzung am
16. Juli wurde nach jahrelangem Ringen die neue Struktur der Kirchengemeinde
Freiburg einstimmig beschlossen:
„Es werden flächendeckend auf dem
Gebiet der derzeitigen 18 Pfarrgemeinden nach einheitlicher, noch zu beschließender
Rechtsform, Pfarrunionen gebildet. Zu einer Pfarrunion gehören mindestens drei
ehemalige Pfarrgemeinden.
„Es werden in allen Regionen je eine
moderierte Lenkungsgruppe eingerichtet.“ ...
Was heißt das jetzt im Klartext,
besonders für die Christusgemeinde?
Die
Pfarrunionen umfassen mindest drei Gemeinden. Das bedeutet bei 18 Gemeinden,
dass höchstens sechs Pfarrunionen gebildet werden können. Sinnvoll ist, dass
benachbarte Gemeinden in Pfarrunionen zusammengefasst werden. Gewachsene
Verbindungen und bestehende Zusammenarbeit, aber auch historische Gesichtspunkte
sollen beachtet werden.
Diese Pfarrunionen werden in den
Lenkungsgruppen vorbereitet. Zur Lenkungsgruppe gehören der jeweilige
Pfarrer/die jeweilige Pfarrerin und je zwei Gemeindemitglieder.
Es zeichnen sich vier Lenkungsgruppen
ab für vier Pfarrunionen. Die Lenkungsgruppen sollen sich zu ihrem ersten
Treffen im September zusammengefunden haben.
Zur Lenkungsgruppe Süd/Süd-Ost gehören
die Auferstehungsgemeinde Littenweiler, die Friedensgemeinde Oberwiehre/Waldsee,
die Matthias-Claudius-Gemeinde Günterstal, die Petrusgemeinde Unterwiehre und
die Christusgemeinde.
Das erste Treffen war am 21. September.
Am 18. März 2005 soll durch einen
Beschluss des Kirchengemeinderates die jeweiligen Pfarrunionen verbindlich
zusammengeschlossen werden.
Wenn die inhaltlichen Konzepte der
jeweiligen Pfarrunionen im Juli 2005 dargestellt worden sind, kann über das
Immobilienkonzept beraten und in der Sitzung des Kirchengemeinderates am 9.
Dezember 2005 beraten und entschieden werden.
Die Pfarrunionen werden dann als
Gruppenpfarrämter organisiert sein. Eine andere Möglichkeit gibt es in der
Badischen Landeskirche nicht.
Noch nicht entschieden ist jedoch,
welche Rechtsform die entstandenen Pfarrunionen haben werden. Möglich ist, dass
sie weiter Pfarrgemeinden der Kirchengemeinde Freiburg werden. Die andere Möglichkeit
ist, dass die Pfarrunionen selbständige Kirchengemeinde mit eigenem
Haushaltsrecht werden.
Die jeweiligen Gemeinden werden über
den Stand der Diskussion informiert werden. Vor einem Beschluss ist der
Gemeindebeirat und die Gemeindeversammlung zu hören.
Wir werden im
Gemeindebrief/Gemeindeblatt über den jeweiligen Stand informieren.
Das Jugendprojekt „Mahnmal“
erinnert an das Schicksal der am 22. Oktober 1949 nach Gurs deportierten Jüdinnen
und Juden Badens.
Ziel dieses Projekts ist es, dass sich
Jugendliche in Baden an ihren Heimatorten und Gemeinden auf Spurensuche machen
und ihre Ergebnisse der Allgemeinheit präsentieren. Darüber hinaus sollen zwei
identische Gedenksteine, sogenannte „Memorialsteine“ erstellt werden. Ein
Stein bleibt vor Ort, der andere wird Teil eines zentralen Mahnmals in Form
eines Davidsternes auf dem Gelände der Tagungsstätte der Evangelischen Jugend
in Neckarzimmern.
Seit Anfang 2003 sind vier Jugendliche
der Christusgemeinde mit meiner Begleitung an dem Projekt beteiligt. Mit großem
Engagement befragen sie ZeitzeugInnen in ihrer Umgebung, gestalteten eine
Mahnwache zum Jahrestag der Deportation, suchen nach „Stolpersteinen“ in der
Wiehre und trafen Marlis Meckel, Koordinatorin der „Stolpersteinaktion“ in
Freiburg. Auf dem EGJ-Forum 2003 motivierten sie andere Jugendliche aus Baden an
dem Projekt teilzunehmen.
Als das Projekt im Rahmen der „Woche
der Brüderlichkeit“ im März diesen Jahres im SWR von den Jugendlichen
vorgestellt wurde, drückte Julia Bayer, als sie nach ihrer Motivation für
dieses Projekt gefragt wurde, es folgendermaßen aus: „Unsere Generation ist
die letzte, die noch mit Zeitzeugen in Kontakt kommen und das dokumentieren
kann.“
Momentan setzen wir uns vor allem mit
der Gestaltung der Memorialsteine auseinander.
Denn die Zeit drängt, das Mahnmal wird am 23. Oktober 2005, einen Tag
nachdem sich die Deportation der badischen Jüdinnen und Juden zum 65. Mal jährt,
an die Öffentlichkeit übergeben.
Sich
auf das Aussehen der Steine zu einigen war für die Freiburger Gruppe kein
Problem. Theresa Zimmermann: „Untypisch soll er sein. Unbearbeitet und mit
Scherben drauf.“ Und Nora Freund fügt hinzu: „Wir wollen an das anknüpfen,
was kaputt gegangen ist.“ Schwierig ist es für uns nach wie vor Sponsoren für
die Steine zu finden. Es würde uns auch helfen, wenn uns
jemand zeigen oder erklären könnte,
wie man die Steine - sie sollen max. 1m hoch und 40x40cm breit sein - zur Not
aus Ziegeln zusammenmauert, ohne dass sie beim ersten Regen oder Frost
auseinander fallen.
Vielleicht hat ja jemand aus der
Gemeinde einen guten Rat oder Tipp für uns?!
Ansonsten
sind wir noch mit der Stadt in der Diskussion, wo der Memorialstein in Freiburg
seinen Platz finden kann. Jonjer Jennerjahn wünscht sich im Namen der
Jugendgruppe einen möglichst zentralen Ort mit inhaltlicher Anbindung. „Alle,
die vorbei kommen, sollen sich fragen: Was soll das?“
Wir
laden Sie herzlich zu einem Zeitzeugenvortrag am Montag, den 18.10.2004 in das
Evangelische Jugendwerk in die Goethestrasse 2 ein. Dr. Kurt Maier aus
Washington spricht von seinen Erlebnissen vor 64 Jahren, als er als 10-Jähriger
mit seiner Familie nach Gurs deportiert wurde. Beginn ist um 19 Uhr.
Falls sie Fragen
oder Anregungen zum Mahnmalprojekt haben, freuen wir uns angesprochen zu werden!
Heike
Siepmann
Der Freiburger Kreis und
die Ökumene.
Seit
Ende des 19. Jahrhunderts war die Wiehre in Freiburg ein bevor-zugtes
Wohngebiet für Professoren. Das galt besonders für die Pro-testanten unter
ihnen, die angesichts des ihnen etwas fremden katho-lischen Umfelds den Kontakt
unter einander pflegten, sodass ein enges soziales Geflecht und eine Atmos-phäre
des Vertrauens zwischen diesen Häusern entstand. So waren z. B. die Familien
des Philosophen Edmund Husserl, der Nationalöko-nomen Walter Eucken und Adolf
Lampe und des Historikers Gerhard Ritter miteinander befreundet. Hin-zukam nach
seiner Berufung 1937 nach Freiburg auch der Agrar-ökonom Constantin v. Dietze,
der vorher eine Professur in Berlin gehabt hatte. Nicht selten waren
philosophische, wissenschaftstheore-tische und auch theologische The-men, z. B.
Husserls Phänomenologie, Gegenstand der gemeinsamen gesel-ligen Abende Seit
Heideggers pro-nationalsozialistischem Rektoratsjahr 1933 schlossen sich diese
und andere Familien auch politisch enger an- einander an. Sie stellten sich die
Frage, was das christliche Gewissen in diesen Zeiten von ihnen verlangte Es
verwundert dann auch nicht, dass die Pfarrer der Christuskirche, Her-mann Weber,
der die Bekennende Gemeinde in Freiburg gründete, und dessen Nachfolger, Otto
Hof, bald die Aufmerksamkeit dieser Gelehr-ten fanden, und vor allem
Gerhard
Ritter und Adolf Lampe für die
Be-kennende Kirche gewinnen konn-ten. Constantin v. Dietze war schon Mitglied
der Bekennenden Kirche, als er nach Freiburg kam. v. Dietze und Lampe haben sich
nach dem Reichspogrom vom 11.November 1938 für die Gründung des „Freiburger
Konzils“, eingesetzt, das die notwendigen Konsequenzen for-mulieren sollte. In
dessen Namen hat Gerhard Ritter eine erste Denk-schrift, „Kirche und Welt,
eine notwendige Besinnung auf die Aufgaben der Christen und der Kirche“
verfasst. Die Bereitschaft zum Widerstand gegen den Natio-nalsozialismus war
unter den Ge-nannten seither
vorhanden. Durch diese Denkschrift war auch Pfarrer Dietrich Bonhoeffer
auf die Frei-burger
Gegner des Nationalsozia-lismus aufmerksam geworden und daran erinnerte
er sich, als er Anfang Juni 1942 bei einer Begegnung mit dem
englischen Bischof Bell in Schweden einen bestimmten Auftrag erhielt. Die
ökumenische Bewegung mit ihrem Generalsekretär Willem Visser ’t Hooft in
Genf und Vertreter der anglikanischen Kirche in Eng-land, unter Führung der
Bischöfe, Temple und Bell, hatten bald nach Kriegsbeginn begonnen, sich
Ge-danken darüber zu machen, wie man nach dem Ende des Krieges und einer
Beseitigung des Nationalsozia-lismus einen dauerhaften und ge-rechten Frieden in
Europa herstellen könne, der nicht wie der Versailler Vertrag
Grund zu neuen Kriegen sein würde. Darum sollten von vor-neherein auch
deutsche Vertreter an diesen Planungen beteiligt werden. Durch Bonhoeffer wusste
Bell seit 1934 von der Bekennenden Kirche und erfuhr durch ihn
nun von einer großen Widerstandsbewegung, die Hitlers Beseitigung
plante. Das über-zeugte ihn davon, dass es in Deutschland vertrauenswürdige
Part-ner für eine solche Planung gab. Er machte also Bonhoeffer den Vor-schlag,
deutsche Wissenschaftler zu finden, die für gewisse Bereiche einer Friedenslösung
Vorschläge ausarbeiten sollten. Gedacht war da-bei an einen Plan für die
wirt-schaftliche Neuordnung Europas nach dem Kriege. Hier mag der Name C. v.
Dietze bereits genannt worden sein, weil Bonhoeffer und Bell wussten, dass er
bereits für die Teilnahme an einer ökumenischen
Konferenz in Oxford 1937 vorge-sehen gewesen war, an der deutsche
Vertreter dann nicht teilnehmen konnten. Es ist ja immerhin bemer-kenswert, dass
der Auftrag nicht an den Kreisauer Kreis ging, zu dem die Widerstandszelle in
der Abwehr, zu der Bonhoeffer gehörte, Kontakt hatte.
Nach
seiner Rückkehr aus Schweden informierte Bonhoeffer zunächst die Vorläufige
Kirchenleitung der Be-kennenden Kirche, die der offizielle Partner der geplanten
Weltkirchen-konferenz nach Kriegsende sein sollte, und leitete dann in deren
Namen die Bitte um Ausarbeitung
einer solchen
Stellungnahme an den Freiburger Kreis weiter. Die soge-nannte
„Freiburger Denkschrift“, die in einem kleinen Kreis unter be-sonderer
Geheimhaltung in der Zeit von September 1942 bis Januar 1943 ausgearbeitet
wurde, war also streng genommen eine Auftragsarbeit der Ökumene. Zusätzlich
motiviert hat sicher die Teilnahme Carl Goerde-lers, der mit Ritter und anderen
bekannt war und an den Beratungen teilnahm, ja die Denkschrift für seine
Regierung nach einem gelungenen Staatsstreich in Anspruch nehmen wollte.
Dietrich Bonhoeffer hat an den
Besprechungen in Freiburg nicht mehr teilgenommen, wahrscheinlich, weil er
vermeiden wollte, dass das Reichssicherheitshauptamt der SS,
das ihm gegenüber misstrauisch geworden war, sein Auge auch auf die
Freiburger Professoren werfen würde. Er hat aber mit C. v. Dietze
bei dessen Besuchen in Berlin ge-sprochen und wahrscheinlich den Inhalt
der im Januar fertig gestellten Denkschrift noch vor seiner Verhaf-tung im März
1943 kennen gelernt.
Die
rasche Fertigstellung der Denk-schrift sollte nicht darüber hinweg-täuschen,
dass es sich um das Er-gebnis einer sehr gründlichen inter-disziplinären
Arbeit handelt, um den Niederschlag einer jahrelang gewa-chsenen Gesamtsicht, in
der philo-sophische, historische, volkswirt-schaftliche und theologische Aspekte
zusammen gekommen sind. Im Zen-trum standen Geschichte und dem Auftrag der Ökumene
entsprechend die Volkswirtschaft. Den historisch-en Schwerpunkt bildete Gerhard
Ritters Auffassung, dass die auf dem Boden des Christentums gewachsene
gesellschaftliche Ordnung infolge der Säkularisation einem Vakuum Platz gemacht
habe, das zum Entstehen autoritärer Staatsformen geführt habe. Sein Anliegen
war, die Kirchen darauf aufmerksam zu machen, dass
ihnen hier ein Öffentlichkeitsauftrag erwachsen war, den Luther noch
nicht gesehen hatte. Obwohl Ritter, selbst Lutheraner, zeit seines Lebens an der
lutherischen Zwei-Reiche-Lehre fest-hielt, erneuerte er nun seine Auffassung vom
politischen Auftrag der Kirche, die er unter dem Stichwort „Kirche und Welt“
schon in der ersten Denkschrift entwickelt hatte. Der volkswirtschaftliche
Schwerpunkt geht vor allem auf Walter Eucken, Constantin v. Dietze und Adolf
Lampe zurück. Hier wird der Gedanke der Freiheit zugrunde gelegt und betont,
dass diese Freiheit ihren Ausdruck im gesellschaftlichen Wettbewerb finden müsse.
Trotzdem wurde der Begriff des Kapitalismus als ungeeignet empfunden.
Denn die Freiheit bedürfe zu ihrer Entfaltung der Begründung in einer
geistigen Ordnung, die als naturgegeben herauszuarbeiten und durch den Staat zu
gewährleisten sei.
Die
Verfasser der Denkschrift sind nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler
entdeckt, verhaftet und schwer misshandelt worden. Die Denkschrift hat der
Weltkirchenkonferenz in
Amsterdam 1948
vorgelegen, konnte aber ihr eigentliches Ziel nicht erreichen, da die Kirchen
auf die Nachkriegsordnung kaum Einfluss nehmen konnten und deutsche Vertreter in
Folge des totalen Zusammenbruchs nicht beteiligt wurden. Wieweit die Denkschrift
bei der Gestaltung der Sozialen Marktwirtschaft eine Rolle gespielt hat, ist
umstritten. Gerhard Ritter geriet später in die Kritik, er wurde nicht ganz zu
Recht als typischer Vertreter der nach 1945 einsetzenden Reaktion
eingestuft. Ganz sicher ist er konservativ gewesen und sein Staatsdenken war
nicht primär de-mokratisch. Er war aber neben Bon-hoeffer einer der ersten
Lutheraner, die einen ausdrücklichen Öffent-lichkeitsauftrag der Kirche für
das staatliche Leben formulierten, damit einer unkontrollierten Staatlichkeit
eine Schranke gesetzt werden könne. Das Besondere der Denkschrift liegt ferner
darin, dass die Freiheit des einzelnen nicht so sehr auf eine parlamentarische
Verfassung gegrün-det, sondern durch einen ökono-mischen Ordnungsgedanken
ge-sichert werden sollte, eine Perspektive, die durchaus als vorausschauend
eingestuft werden könnte.
Dr.
theol. Hans Pfeifer
Gedenken
an den „Freiburger Kreis“
Der Ältestenkreis hat
beschlossen, nach der Sandstein-Sanierung des Kirchturms den Mitgliedern des
„Freiburger Kreises“ zu gedenken. In der Nähe des Hauptportals soll eine
Gedenkstele oder eine Gedenktafel deutlich machen, dass in der Christuskirche
das Freiburger Zentrum der „Bekennenden Kirche“ während der Zeit des
Nationalsozialismus war. Dabei soll das Engagement von Mitgliedern der
Christusgemeinde, v.a. Constantin von Dietze, Walter Eucken, Adolf Lampe und
Gerhard Ritter, und den Pfarrern im Kampf gegen die „Deutschen Christen“ gewürdigt
werden.
„Vater Unser Wanderung“ am 26. Juni 2004
Das „Vater Unser“ habe ich schon oft gebetet, und
nun las ich von einer „Vater Unser Wanderung“ mit Pfarrer Kammerer von der
Christus Gemeinde und der Matthias-Claudius-Gemeinde.
Am Samstag früh – einem sonnigen,
aber kühlen Sommertag - traf ich auf die Wandergruppe am Kirchzartener Bahnhof.
Sehr freundlich wurde ich aufgenommen und gemeinsam fahren wir mit dem Bus nach
St. Peter.
Hier
kenne ich nur die prachtvolle Klosterkirche und nun lerne ich die bescheidenere,
doch von der Entstehung her sehr interessante Ursula
Kapelle kennen. Der Bau geht zurück auf den Märtyrertod der hl. Ursula in
Köln um 453. Nach einem Dorfbrand 1899 wurde die wiedererbaute Kapelle 1902
eingeweiht. Sie wird heute von beiden Konfessionen zu Gottesdiensten benutzt.
Gemeinsam beten wir hier und in den folgenden Kapellen die einzelnen Bitten des
„Vater unser“.
Der
frische Wind lässt noch keine Sonnenwärme zu und wir wandern deshalb zügig
zwischen Klostermauer und Friedhof
vorbei an typischen Schwarzwaldhäusern mit blühenden Vorgärten zur Soldatenkapelle.
1910 wurde sie auf den Namen des hl. Georg eingeweiht zum Gedenken an die 848 österreichischen
Soldaten, die im ehemaligen Kloster von St. Peter, das 1813 als Lazarett benutzt
wurde, gestorben sind.
Danach
überqueren wir die nach St. Märgen führende Landstraße und genießen dann
einen herrlichen Blick über blühende Wiesen zum Schwarzwald mit dem Feldberg.
Wir verlassen St. Peter und lenken unsere Schritte zur Hofkapelle
des Schafhofes.
Diesmal
ist der Anlass der Erbauung erfreulich. Schafbauer Lorenz Gremmelspacher
gelobte, eine Kapelle für die glückliche Geburt seines Sohnes zu erbauen.
Bergauf
wandern wir jetzt den Kreuzweg entlang zum Lindenberg. Auch Eichendorff könnte
hier gewandert sein – denke ich mir – und
unter einem Baum eines seiner romantischen Gedichte über diese schöne
Landschaft geschrieben haben. Aber ein Funkmast auf einem der Hügel und in der
Ferne auf dem Roßkopf die Windräder holen mich ins Hier und Jetzt zurück. Wir
erreichen die Kapelle
Lindenberg. Diese Kapelle hat eine sehr wechselvolle, wie auch für die
Menschen im 1800 und 1900 Jh., und dramatische Vergangenheit
hinter sich – nachzulesen im Büchlein „Maria Lindenberg“ von Josef
Läufer. Vor der Kapelle in der Mitte des Wallfahrtplatzes steht die Mariensäule.
Am unteren Teil der Säule die vier Frauengestalten aus dem alten Testament
Sara, Ester, Debora und
Judit.
Ein
besonderer Ort - das spüre ich - aber auch die zunehmende „Sommerkälte“.
Eine Mitwanderin erbarmt sich – vielleicht angeregt durch das Bild vom hl.
Martin in der Kapelle? – und gibt mir eine Jacke ab.
Weiter
geht es nun bergab auf dem Weg mit dem gelben Punkt durch den Wald bis zur Schwärzlehof-Kapelle,
gebaut den frommen Eheleuten Johann und Barbara Molz im Jahre 1797 nach der
Viehseuche des Kriegs- und Notjahres 1796.
Bald
verlassen wir den Wald und folgen einem Pfad über Wiesen, an Hecken, Büschen
und Bäumen vorbei in einer wunderschönen Landschaft zur Schneiderhof
Kapelle, die liebevoll gepflegt und gehütet wird.

Einige
Schritte weiter auf dem „gelben Pfad“ erinnert uns ein Gedenkstein
mit obiger Inschrift an eine handgreifliche Auseinandersetzung zwischen einem
Ibenbacher und einem Rechtenbacher mit tödlichem Ausgang.
Der
scharfe Wind vom Dreisamtal treibt uns rasch weiter bergab in den schützenden
Wald bis zur Abzweigung nach Ibental Wickenhof.
Unten angekommen
steuern wir die Kapelle an, die am Anfang des Ibenbachtales steht. Wir
werden bereits erwartet. Einer der Mesner schildert uns die Geschichte der Vaterunserkapelle.
Nachzulesen im Buch von
Franz Kern „Das Dreisamtal mit seinen Kapellen und Wallfahrten“.
Inzwischen
ist es Abend geworden. Eile ist angesagt, denn als wir in Sichtweite des
Bahnhofs Himmelreich kommen, fährt unser Zug ein.
Es
ist ein freundlicher Zugführer der wartet und auch den letzten Wanderer unserer
Gruppe einsteigen lässt. Pfarrer Kammerer kündigt für 2005 wieder Wanderungen
an. Hoffentlich kann ich mitwandern.
Angelika Hartmann
Vorstellung der neuen Praktikantin
Liebe
Christusgemeinde,
Seit Anfang September bewegt sich ein
„neues Gesicht“ in den Räumlichkeiten der Gemeinde.
Ich möchte mich Ihnen kurz vorstellen,
mein Name ist Heike Siepmann.
Ich studiere an der Evang.
Fachhochschule hier in Freiburg Religionspädagogik und werde bis März 2005 im
Rahmen dieses Studiums mein Praxissemester an der Christusgemeinde leisten.
Die Gemeinde ist mir nicht gänzlich
neu, habe ich doch im Herbst 2002 die Leitung der Jugendgruppe übernommen.
Heute beschäftige ich mich immer noch mit vier Jugendlichen der
Christusgemeinde am sogenannten Mahnmalprojekt (siehe entsprechenden Beitrag im
Gemeindebrief).
Neben der Begeisterung für die Arbeit
mit Jugendlichen, freue ich mich jetzt sehr darauf durch Frau Gramling die
Arbeit mit Familien und (Klein-) Kindern kennen zu lernen. Da ich selbst zwei
Kinder (3 und 6 Jahre alt) habe, empfinde ich diese neue Herausforderung als
Bereicherung.
Ich bin gespannt darauf, neue
Erfahrungen zu machen und die Gemeinde besser kennenlernen zu dürfen!
Mit freundlichen Grüßen
Heike Siepmann
Die
Wiederkehr der Ausstellung bringt eine seltsame Erfahrung mit sich: Was vor über
15 Jahren in dem einzigartigen Zusammenwirken von Landeskirche, Stadt Freiburg,
Histo-rischen Seminar der Universität, Pä-dagogischer Hochschule und
Evan-gelischer Fachhochschule, von der die Einladung ausgegangen war, ermöglicht
mit Hilfe der Konrad Adenauer- Stiftung, diverser Spen-den und verwirklicht
durch die Gra-fikerin Ruth Bausenhardt (Günters-tal), war ein Rückblick auf
Vorgänge in der Christusgemeinde und der Universität 50 Jahre zuvor. Von den
aktiv Beteiligten lebte nur noch Frau Gertrud Lampe, wohl aber Nach-kommen, wie
zum Beispiel der vormalige Pfarrer an der Christus-kirche, Frido Ritter und
seine Frau Hildemargret, geb. Weber. Die Erin-nerung der Nachfahren hatte in den
Jahren zuvor schon aufschlussreiche Diskussionen ausgelöst, die nicht ohne
Spannungen verliefen. Die Zu-kunft von „Einst“ erscheint jedem und jedes Mal
wieder neu und auch etwas anders! Diese heutigen Bilder mussten in das Denken
und Ge-schehen einer vergangenen Zeit ein-gezeichnet und dann doch aus der
gegenwärtigen Erfahrung heraus ge-staltet werden. So erging es nicht nur den
Angehörigen, sondern auch den engagiert Forschenden. Viele Jahre hatte das
Thema des Widerstands in Deutschland geruht – nicht nur in Freiburg. In ihm
hatten unter größter
Lebensgefahr
vor allem vier Mit-glieder der Christusgemeinde, die Professoren Walter Eucken,
Con-stantin von Dietze, Adolf Lampe und Gerhard Ritter nach Beratung mit anderen
eine Denkschrift formuliert, die in die Hände der Briten gelangen sollte:
„Politische Gemeinschafts-ordnung. Ein Versuch zur Selbst-besinnung des
christlichen Gewis-sens in den Nöten unserer Zeit“. Nach dem Attentat des 20.
Juli 1944 wurden eine Kopie oder ein Hinweis darauf gefunden und die drei
Letztgenannten zur Verurteilung vor dem Volksgerichtshof in Haft ge-nommen.
Gerhard
Ritter hatte in
seinem Buch über Carl Goerdeler und die deut-sche Widerstandsbewegung 1954
(Anmerkung zu dieser Denkschrift dort S. 511) erstes Interesse ge-weckt, aber
erst als ich die von Helmut Thielicke und Philipp von Bismarck 1979
herausgebrachte Fassung in die Hand bekam, fand ich mich als Freiburger und
Mitglied der Christusgemeinde irgendwie zuge-hörig, zumal auch für meine
Lehr-veranstaltungen an der Evangeli-schen Fachhochschule der Einblick in die
theologischen Hintergründe der Sozialen Marktwirtschaft be-deutsam zu werden
versprach. Diese Denk - Schrift ist noch im Jahr 2004 nicht nur wissenschafts-
und kir-chengeschichtlich aufschlussreich, sondern wieder tagespolitisch
ak-tuell, wenn z.B. am 13. September 2004 in der Süddeutschen Zeitung unter der
Überschrift „Die Zukunft von einst“ die Befürchtung Harald Welzers zu
lesen ist: „Zwischen Hartz und Hitler geht die Demo-kratie aus einem stabilen
in einen labilen Zustand über“: Ängste unter-graben den Sinn für eine
sinnvolle Wirtschaftsordnung.
Die
gegenwärtige Unsicherheit ange-sichts unabweisbarer Reformen im Sozialstaat
kann blind machen ge-genüber der ethischen Situation, aus der heraus vor 60
Jahren in dieser Denkschrift erstmals die Grundsätze der Sozialen
Marktwirtschaft ent-wickelt wurden. Philipp von Bis-marck 1979: „Hier ist eine
geistige Bresche zu schlagen und das in un-serem Lande als Ergebnis
christ-lichen Wertentscheidungen zu poli-tischer Wirksamkeit gelangte
Ord-nungsmodell in den gebührenden Rang zu erheben, erscheint zugleich auch als
ein wesentlicher Dienst an Europa“.
Die
Vorgeschichte reicht weit zurück: Als Adolf Lampe sich schon 1923 an die
Auseinandersetzung mit dem NS- Ideologen Gottfried Feder über die von den Nazis
so genannte „Zinsknechtschaft“ wagte, wies die-ser in einem Schreiben vom
31.2.1923 „eine akademische Dis-kussion“ zurück mit dem Satz, man könne
nicht „eine blutleere Diskussion abhalten, die an der
Judenfrage und deren inniger Be-ziehung zu den Krisenzuständen in der
heutigen Weltwirtschaft vorbei-gehen möchte“. Lampe hatte an den Folgen
seines Mutes während der ganzen Dauer seiner Lehrtätigkeit an der Universität
zu tragen.
Andere
kamen erst später und nach und nach zu der Einsicht, dass gerade die Ablehnung
„blutleerer“, dafür aber wissenschaftlicher Dis-kussionen ein begründetes
Handeln unmöglich macht. Die Ausstellung zeigt, wie dann die Treue zur
Wissenschaft und zur Bekennenden Kirche Hand in Hand gingen. Die Einsicht in
diese Zusammenhänge kam erst 1973 mit der dem Widerstand der Freiburger Kreise
gewidmeten Dissertation von Christine Blumenberg - Lampe und der Veröffentlichung
der Denkschrift 1979 ans Licht. Diese führte in Freiburg zuerst zu einer
Veran-staltungsreihe der Evang. Erwach-senenbildung, bald auch zu per-sönlicher
Bekanntschaft mit Christine Blumenberg- Lampe und ihrer Mutter, Frau Gertrud
Lampe, Ehrensenatorin der Universität seit 1973, und mündete in die
Gemeinschaftsarbeit dieser Aus-stellung.
1988
konnte ein Historiker noch in Frage stellen, ob es sich bei dieser
„akademischen“ Schrift im strengen Sinne um Widerstand gehandelt hat, da ja
kein Kampf stattgefunden habe und auch kein Blut geflossen sei.
Damals
galt es, erst einmal „Wi-derstand“ als ein Handeln „in Frei-heit unter den
Bedingungen der Ohnmacht“ zu definieren, so Hans G. Ulrich 1988 in Anknüpfung
an eine Rede, die Bundespräsident Richard von Weizsäcker im Jahr 1986 zum
Bedenken des 20. Juli 1944 unter Stichwort: „Attentat aus Gewissen“ gehalten
hatte - auch die-se bildete einen Anstoß, sich dem „Widerstand“ der
„Freiburger“ ein-gehender zu widmen. Das Thema lag auf einmal wie nie zuvor
„in der Luft“.
Im
Jahr 1988 entstand die im No-vember 2004 nun wieder in der Christuskirche zu
sehende Aus-stellung in einem einzigartigen Zu-sammenwirken Freiburger
Hoch-schulen mit der Stadt Freiburg und der Evang. Landeskirche, unter dem Ziel,
sich dieses gemeinsamen Erbes zu vergewissern. Sie wanderte, da technisch
entsprechend ausgerüstet, in zahlreiche Städte der Bundes-republik, kam nach
1989 auch nach Potsdam und Dresden, und forderte zum Verstehen, aber auch zu
schroffer Ablehnung heraus, sogar zu aggressiven Reaktionen z.B. an der
Dresdener Universität, wo u.a. Hakenkreuze auf die Tafeln ge-schmiert wurden
– dieser „ Bür-gerliche Widerstand“ passte nicht in die dort über
Jahrzehnte geprägten Schablonen des Antifaschismus, wo-raus sich übrigens
schon bei der ersten Veranstaltung in Freiburg ein Disput entwickelt hatte.
Diese Zer-
störungen und allgemeine Ab-nutzung machten eine zweite Auf-lage mit
aufwändiger Bearbeitung er-forderlich unter der Ägide von Prof. Winfried
Schulz von der Universität der Bundeswehr in Neubiberg bei München, die auch
die Transporte zu Ausstellungsorten bis nach Polen übernahm, und wo sie einen
dauern-den Platz gefunden und bis nach Polen ausgeliehen wurde: Die Bun-deswehr
stellte sich selbst in der Tradition dieses Widerstandes mit dieser Ausstellung,
die zum 20. Juli 2004 durch das Walter Eucken- In-stitut für eine Präsentation
an die hiesige Universität zurückkehrte, wo Prof. Bernd Martin die Hintergründe
dafür dargelegt hat, dass Menschen in einer Kirchen- Gemeinde damals ein in
seiner Art unvergleichliches Wagnis auf sich genommen haben.
Im
Spätjahr 2004 könnte diese Ausstellung für die Debatte um Einschnitte im
Sozialen Netz nicht nur nachdenklich machen über eine „behutsame
Weiterentwicklung des nach dem Kriege Geschaffenen“ (Christine Blumenberg -
Lampe 1986), sondern den Mut wecken, die akuten politischen Probleme wie damals
vor dem moralischen Hintergrund des christlichen Gewissens anzugehen, gerade im
Gegenüber zu marktschreierischen Parolen bei den neuen sogenannten
Montagsdemonstrationen. Helmut Thielicke schrieb im Vorwort (S.6): „Gerade
das, was man dieser Denkschrift in einigen ihrer Phasen
vorwerfen
könnte: dass nämlich ihre Zukunftsvision nicht selten das negative Spiegelbild
der Situation unter der Tyrannei war, kann zur Anklage des Heute werden. Es
behaftet uns mit der Frage, was wir aus der Freiheit gemacht haben, die damals
den Wüstenwanderern als Fata Morgana erschien.“
Kühn
füge ich die Frage hinzu: Und welche Taten der Freiheit wagen wir heute, um die
Soziale Marktwirtschaft unter veränderten Bedingungen zu retten? Beispiel für
eine Parole: „Hartz statt Hitler“!
Prof.Dr.theol. Hans Ulrich Nübel
20. Juli 1944 – 20. Juli 2004
Die
Christuskirche und der Freiburger Kreis
Im November erinnert die
Christusgemeinde mit der Veranstaltungsreihe „20. Juli 1944 - 20.Juli 2004 –
die Christuskirche und der Freiburger Kreis“ an den Freiburger Widerstand und
damit auch an ihre Mitglieder Walter Eucken, Constantin von Dietze, Adolf Lampe
und Gerhard Ritter.
Ein ganz wichtiger Bestandteil dieser
Reihe ist die Ausstellung „Widerstand und Nachkriegsplanung 1933-1945 – Der
Freiburger Kreis“
Zu dieser Reihe gehören auch drei
Vortrags - und Gesprächsabende zum Freiburger Kreis. Dabei wird die Bedeutung
des Freiburger Kreises im kirchlichen und wirtschaftlichen Kontext, auch in der
aktuellen wirtschafts- und sozialpolitischen Diskussion, bedacht.
Der ehemalige Pfarrer der
Christusgemeinde, Dr. Hans Pfeifer, wird am
9. November über den Beitrag des Freiburger Kreises für die Ökumene
berichten. Bitte beachten Sie auch den Beitrag von Herrn Pfeifer in diesem
Gemeindebrief.
Wie sozial ist die Wirtschaftspolitik
heute noch? Verabschieden wir uns von der Sozialen Marktwirtschaft? Am 11.
November geht Dr. Manfred Lallinger, in der Katholischen Akademie
Rottenburg-Stuttgart verantwortlich für den Bereich „Wirtschaft, Arbeit und
Soziales“ diesen
Fragen nach und stellt dar, wie es heute angesichts neoliberalen Tendenzen im
Blickfeld der Katholischen Soziallehre und der Sozialethik um die Soziale
Marktwirtschaft bestellt ist. Herr Dr. Lallinger wohnt in der Wiehre. Pfarrer
Dr. Jochen Gerlach, Wabern Hessen, ist ein Kenner der Verbindung von Theologie
und Wirtschaft, Fachmann in wirtschaftsethischen Fragen. Er wird am 16. November
über die protestantischen Wurzeln der Sozialen Marktwirtschaft berichten. Dabei
wird die Konzeption des Freiburger Kreises, deren Mitglieder sich allesamt als
bewusste evangelische Christen verstanden, in wirtschaftsethischer Sicht im
Mittelpunkt stehen.
Die Vortrags- und Gesprächsabende
beginnen jeweils um 20.00 Uhr im Gemeindehaus, Maienstraße 2.
Die exakten Titel der Vorträge stehen
noch nicht fest.
Bitte beachten Sie die Handzettel und
die aushängenden Plakate.
Die Ausstellung „Widerstand und
Nachkriegsplanung 1933-1945 – `Der Freiburger Kreis´“ wird im November in
der Christuskirche zu sehen sein. Der vorgesehene Termin ist zwischen dem 3. und
17. November. Der genaue Termin steht noch nicht fest.
Bitte
beachten Sie auch den Beitrag von Herrn Nübel in diesem Gemeindebrief
Am 14. November wird Dr. Christine
Blumenberg-Lampe – sie ist die Tochter von Prof. Adolf Lampe - nach dem
Gottesdienst zu einem kurzen einleitenden Vortrag und zum Gespräch über die
Ausstellung anwesend sein. Es ist sicher sehr interessant, wie sie aus ihrer
Sicht die Arbeit des „Freiburger Kreises“ sieht.
Monatsspruch
November
So spricht der Herr:
Wahrt das Recht und sorgt für Gerechtigkeit; denn bald kommt von mir das Heil,
meine Gerechtigkeit wird sich bald offenbaren.
Jesaja
56,1
Aus dem Wiehremer integrativen Montessori -
Kindergarten
Ehe
die Sommerferien anfingen, feierten Kleine und Große einen Gottesdienst mit
Pfarrer Kammerer, in dem die Schulanfänger vom Kindergarten Abschied nahmen und
sie, die „Maxis“, auch mit vorbereitet hatten, und bei dem Andacht bei
allen im Kirchenraum gespürt und erfahren wurde.
Turnseeschule,
Lorettoschule, die integrative Montessori - Schule Beethovenstr. und der Richard
Mittermaier - Schule, Sprachheilschule und die Körperbehindertenschule sind die
Stationen, auf die diese Kinder gut vorbereitet sind. Im Anschluss an den
Gottesdienst gab es ein gemeinsames, besinnliches Kuchenessen.
So
manches Jahresthema wurde dabei angesprochen, wie z.B. die Verkehrsberuhigung in
der Lorettostraße, die Gartensanierung, das Montessori - Elternseminar und die
Weiterentwicklung der Konzeption, natürlich auch das Qualitätsmanagement, die
Hospitation von vier Erzieherinnen aus Kairo, auch der Tod von Stiftungsvorstand
Gerhard Beermann, der unseren besonderen Kindergarten mit angeregt und ermöglicht
hat.
Ebenso
wichtig war das Thema Integration / Inklusion von Behinderten und
Nichtbehinderten. Nach der Übernahme von einigen älteren Kindern mit
Handicaps, deren Integration in anderen Kindergärten nicht glücken wollte,
mussten wir wieder einmal feststellen, dass neben einem entsprechend erhöhten
Personalschlüssel, der Aufbau von Kompetenz im Team, bei uns das Montessori -
Diplom, die Fort- und Weiterbildungen, Team- und Fall- Supervision, sowie die
Zusammenarbeit mit Therapeuten und Ärzten entscheidende Grundbedingungen bilden
für den Kindergarten für alle. Nicht zu vergessen ist der Lernprozess für
alle Eltern. Statt entsprechende Grundbedingungen zu schaffen, wurden mit der
neuen Kindergarten- Finanzierung in Baden- Württemberg die Möglichkeiten für
solche integrative Arbeit erschwert, trotz vieler politischer Beteuerungen, sich
für behinderte Menschen einzusetzen.
Schlechte Nachrichten aus dem ABC
Ganz
erheblich treffen unsern ABC auch die allgemeinen Kürzungen im sozialen
Bereich. So kann die befristete halbe Stelle nicht weitergeführt werden,
nachdem die Teilfinanzierung durch die Glücksspirale ausgelaufen ist und das
Diakonische Werk Freiburg nicht den Gesamtbetrag aufbringenkann. Die Stelle können
wir, wie berichtet, bis Dezember noch halten, dann aber steht der ABC ohne Frau
Streeck da –
und das ist sehr, sehr schmerzlich,
nicht nur, weil alle sie persönlich vermissen werden, sondern auch, weil damit
ein erheblicher Teil der Arbeitsgebiete reduziert werden wird – und das bei
steigendem Bedarf. Wir alle sind Frau Streeck von Herzen dankbar.
Nun
hat sich der Förderverein vorgenommen, wenigstens eine Praktikantenstelle möglich
zu machen. Sind Sie dabei? (Konto siehe Rückseite Gemeindebrief –
Arbeitskreis Behinderte).
Irmengard Nübel